Auf dieser Seite finden sich Begriffe aus dem Werke Kafkas, die zur Lesbarkeit von Kafkas Texten erläutert werden müssen oder zu Kafkas Lebzeiten eine andere Bedeutung hatten als im Jahre 2024.

Bureau

Aus dem Französischen für Büro. Viele kaufmännische Wörter wurden aus dem Französischen entnommen, siehe auch Kommiss.
Verwendung u.a. in „Das Urteil“

Claqueur

Besucher eines Theaters oder einer sonstigen Veranstaltung die nach Absprache und gegen Bezahlung applaudieren, um auch die anderen Gäste zum Applaus zu animieren. Französisch „claquer“ für klatschen.
Kafka verwendet den Begriff z.B. im Tagebuch, S. 28.

Coupeé

Aus dem französischen für „geschnitten“ und bezeichnet im engeren Sinne eine geschlossene Karosserie- oder Wagenform. Auch geschlossene Eisenbahnwagons wurden als Coupeé bezeichnet im Gegensatz zu den zu Kafkas Lebzeiten noch häufig anzutreffenden offenen Personenwagons.
Verwendung: z.B. in „Kinder auf der Landstraße“ (Betrachtung, 1913)

Csárdás

Der große Brockhaus, 15. Auflage, 1934: „ungarischer Nationaltanz im 2/4 oder 4/4 Takt, wird von beliebig vielen, im Kreis aufgestellten Paaren ausgeführt. Er zerfällt in einen ruhigen mit gemessenen Bewegungen und einen heftigen, sich bis zu großer Leidenschaftlichkeit und Wildheit steigernden Teil.“
Erwähnung: Tagebücher

Gasarm

Ein Gasarm ist ein aus der Wand kommendes, meist verziertes und edel verarbeitetes Metallrohr, an denen Gaslampen befestigt sind. Die erste Gasbeleuchtung wurde 1814 in London als Straßenbeleuchtung vorgestellt, zu Lebzeiten von Kafka war die Beleuchtung durch Gas die vorherrschende Technik.
Erwähnung: „Das Urteil“

Hungerkünstler

Der große Brockhaus in der 15. Auflage definiert 1931 „Hungerkünstler, Menschen, die für Geld sehen lassen, daß sie sich außergewöhnlich lange jeder Nahrung enhalten. Solche H. waren schon im Mittelalter bekannt“. Franz Kafka hatte im Jahr 1905 vermutlich selber Gelegenheit den damals bekannten Hungerkünstler Ricardo Sacco im Hofbräuhaus in Prag zu sehen oder zumindest aus der Zeitung von ihm zu erfahren.
Kafka verwendet den Begriff in: „Ein Hungerkünstler“ (in „Ein Hungerkünstler“, 1924)

Impresario

Der Begriff kommt aus dem italienischen und steht insbesondere für einen freiberuflichen Unternehmer, insbesondere einem Opern- und Konzertunternehmer, der entweder als Veranstalter oder lediglich als Agent und Vermittler für den Künstler handelt.
Kafka verwendet den Begriff u.a. in: „Erstes Leid“, „Ein Hungerkünstler“ (beides in „Ein Hungerkünstler“, 1924)

inappelabel

Veraltete Rechtssprache für „durch Berufung nicht anfechtbar“. Hier kommt das Beamtendeutsch von Franz Kafka zum Vorschein.
Kafka verwendet diesen Begriff in „Das Schloß“ (S. 173)

Joppe (Pelzjoppe)

Der große Brockhaus definiert in der 15. Auflage 1931: „eine taillenlose Jacke aus dickem Wollstoff oder Loden; hauptsächlich Männertracht (Förster, Waldarbeiter usw.), in größerer Verbreitung noch in den Alpenländern.“

Kasten

Österreichisch für Schrank.
Kafka verwendet es u.a. in „Das Urteil“.

Kommiss

Aus dem dem französischen für Gehilfe oder Kaufmannsgehilfe.
Erwähnung: „Die Verwandlung“

Kürassier

Seit dem Mittelalter berittene Soldaten mit einem Brustharnisch (ursprünglich ein Brustpanzer aus Leder, später auch aus Metall).
Der Begriff findet sich z.B. in „Kinder auf der Landstraße“.

Moule

Jiddisch für „Beschneider“, leitet sich vom hebräischen „mohel“ ab. Ein Mohel bzw. Moule ist also ein Fachmann für das Beschneiden der Jungen nach jüdischer Sitte.

Nachhang

Im deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, 1881 wird „Nachhang, m.“ als „was nachfolgt, Fortsetzung“ definiert. Dieses Synonym für Fortsetzung war jedoch auch zu Lebzeiten von Franz Kafka eher selten im täglichen Sprachgebrauch. Auch der Brockhaus in der 15. Auflage in 1931 führt diesen Begriff nicht mehr.
Kafka verwendet dieses Wort u.a. in „Das Urteil“

Niederjagd

Der Brockhaus in der 15. Ausgabe, 1931, definiert: „Die Jagd wird eingeteilt in hohe und niedere Jagd […] Zur niederen Jagd gehören […] vom Wolfe abwärts alle Haarraubwildarten, die Raubvögel, mit Ausnahme des Adlers und des Uhus, ferner Hasen, Wildgänse, Wildenten, Schnepfen, Rebhühner usw.“.
Kafka verwendet den Begriff u.a. in „Der Bau“ (Nachgelassene Schriften und Fragmente II, S. 579)

Petersburg

Zu Kafkas Lebzeiten und insbesondere beim Verfassen von „Das Urteil“ im Jahr 1912 war Petersburg mit ca. 2,2 Millionen Einwohnern die größte Stadt im damaligen russischen Reich und außerdem sowohl dessen Hauptstadt als auch der Sitz des Zaren. Es gab eine größere deutschen Gemeinde in Petersburg: 1914 lebten etwa 12.000 Reichsdeutsche und 10.000 Russlanddeutschen in Petersburg, so dass eine Korrespondenz mit einem deutschen Freund oder Geschäftspartner in Petersburg keinen exklusiven Charakter hatte. Dies änderte sich erst unter Stalin und heute wäre ein Freund in Petersburg eher eine Ausnahme.
Kafka schreibt von Petersburg u.a. in: „Ein Urteil“ (1912)

peinlich

Das Wort „Pein“ entstammt dem mittelhochdeutschen „pine“, was für Strafe, Qual, Mühe, Not und auch für Leibesstrafe steht. Und in diesem Kontext benutzt es auch Kafka als Synonym für „unangenehm, quälend oder schmerzlich“ ohne die heutige Bedeutung des „beschämenden“.
Kafka verwendet den Begriff u.a. in: „Erstes Leid“ (in „Ein Hungerkünstler“, 1924)

Plafond

Französisch für „Zimmerdecke“.
Kafka verwendet den Begriff u.a. in „Das Urteil“.

Pratzen

Vom italienischen „braccio“ (Arm) abgeleitet für Tatze.
Kafka verwendet den Begriff u.a. in „Das Schloß“ (S. 34) in der seltsam anmutenden Formulierung „Laßt Euch die Pratzen“, was soviel heiß wie „weg mit den Händen“.

Russische Revolution

Die russische Revolution von 1905 bis 1907 entwickelte sich aus einer Streikbewegung von unzufriedenen und hungernden Frauen und Männern in Petersburg und gilt als Wegbereiter der Oktoberrevolution 1917, die man heute eher im Zusammenhang mit dem Begriff „Russische Revolution“ bringt. In der ersten russischen Revolution stellten sich viele Priester, wie z.B. auch Georgi Apollonowitsch Gapon auf die Seite der Revolutionäre.
Kafka erwähnt die russische Revolution u.a. in „Das Urteil“ mehrfach.

Schlafrock

Zu Kafkas Lebzeiten ein gängiges Synonym für Schlafmantel bzw. Morgenmantel. Heute eher ungebräuchlich.
Kafka verwendet den Begriff häufig, z.B. in „Das Urteil“, „Die Verwandlung“, „Der Prozess“.

Schaff

Im Süddeutschen und Österreichischen gängige Bezeichnung für einen Bottisch oder Waschzuber aus Blech oder Holz und ca. einen halben Meter hoch.
Kafka verwendet diesen Begriff u.a. in „Das Schloß“ (S. 226)

Schupfen

Österreichisch für Schuppen.
Kafka verwendet diesen Begriff u.a. in „Das Schloß“ (S. 242)

Taffetkleid

Ein Seidenkleid. Das zu Kafkas Lebzeiten übliche Taffet (vom italienischen taffeta) ist heute verkürzt als „Taft“ noch geläufig.
Erwähnung: „Die Abweisung“ in „Betrachtungen“

Troddel

Eine Troddel ist ein Fadenbüschel, wie eine Quaste. Man fand sie auch zu Kafkas Lebzeiten auch häufig in der militärischen Verwendung als „Säbeltroddel“.
Kafka verwendet den Begriff in: „Eine kleine Frau“ (in „Ein Hungerkünstler“, 1924)

Trottoir

Französisch für Bürgersteig oder Fussweg.
Verwendung: „Kinder auf der Landstraße“ (Betrachtung, 1913)

Weißnähterin

Hier ist die „Weißnäherin“ gemeint, ein heute ausgestorbener Beruf. Als die Aussteuer für die Frauen noch eine Rolle als Teil der Mitgift, die sie in die Ehe mit einbrachten, spielte, wurden Weißnäherinnen beschäftigt, die insbesondere beim Zurechtmachen der Aussteuer halfen und diese bestand zu einem großen Teil aus weißer Wäsche, z.B. Bettwäsche, Handtücher und Tischdecken.
Kafka verwendet den Begriff zum Beispiel im Tagebuch S. 13.

Wollshawl

Gemeint ist der Wollschal (engl. „shawl“ für Schal) und dieses Wort erscheint recht ungewöhnlich, da sich Shawl weder in Grimms Wörterbuch noch in der Brockhaus Enzyklopädie findet.
Kafka verwendet diesen Begriff u.a. in „Das Schloß“.

Seitenangaben beziehen sich auf „Franz Kafka. Schriften und Tagebücher. Kritische Ausgabe“ im Fischer Taschenbuchverlag, 2002