Der Oktober 1912 ist ein euphorischer Monat im Leben des Franz Kafka. Nachdem er in der Nacht vom 22. auf den 23. September in einem Zuge „Das Urteil“ geschrieben hat, hält seine Begeisterung für sich und seine Literatur an und trägt ihn durch einen regnerischen Oktober 1912. Kafka gute Laune veranlasst Max Brod in seinem Tagebuch am 1. Oktober 1912 „Kafka in unglaublicher Ekstase“ und am 3. Oktober 1912 „Kafka, dem es gut geht“ zu notieren.
Im Oktober 1912 erscheint „Großer Lärm“ in den Herderblättern, er arbeitet an der Betrachtung, die im November herauskommen wird, liest Max Brod aus dem Heizer, dem ersten Kapitel von „Der Verschollene“ vor, Kafkas erstem Roman, er hat einen intensiven Briefkontakt mit Felice Bauer und wird mit seinen ersten Veröffentlichungen zu dem, was er sich vielleicht doch erhofft und erträumt, zu einem gedruckten Schriftsteller.
Für Kafka ist es ein intensiver Monat, in dem er viel schreibt, in dem er sich oft mit Max Brod trifft und austauscht und sich mit seinem Verleger Kurt Wolff und seiner schriftstellerischer Arbeit, wie z.B. einer Neufasssung von „Der plötzliche Spaziergang“ auseinandersetzt. Ein Monat, der ihm wenig Gelegenheit zu zweifeln und zu Grübeln lässt und ihm somit durchaus gut tut.
Auch so ist Kafka zumindest stellenweise zu sehen: als viel beschäftigter Jungautor.
Bildquelle: https://www.prag-besuchen.de/prag-im-oktober-herbstzauber-in-der-goldenen-stadt/