Bruno Schulz, ein heute in Deutschland leider eher vergessener Autor, wurde am 19. November 1942 im Ghetto von Drohobycz, Galizien (heute in der Ukraine gelegen) auf offener Straße von einem SS-Schergen erschossen. Geboren wurde er am 12. Juli 1892 ebenfalls in Drohobycz, was damals zu Österreich-Ungarn gehörte, als Kind der Juden Jakub und Henriette Schulz. Aufgrund vieler Schicksalsschläge konnte Bruno Schulz keine Ausbildung und kein Studium abschließen, bildete sich autodidaktisch jedoch zum Grafiker, Literaturkritiker und Schriftsteller und gehört heute noch zu den bekanntesten und wichtigen Autoren der polnischen Literatur. Im Hanser-Verlag sind seine Erzählungen in den Sammelbänden „Die Zimtläden“ und „Das Sanatorium zur Sanduhr“ heute noch erhältlich und zur Lektüre – gerade auch für begeisterte Kafka-Leser – unbedingt zu empfehlen.

Doch was verbindet Bruno Schulz nun mit Franz Kafka. Da ist zum einen der biographische Hintergrund: Bruno Schulz war Jude, lebte in Österreich-Ungarn, war als Schriftsteller Autodidakt, litt zeitlebens unter einem schlechten Gesundheitszustand und hat seinen Geburtsort nur selten verlassen. Außerdem ist da aber die schriftstellerische Parallele, denn in seinen ganz individuellen Texten, er hat nur wenige Werke veröffentlicht und hinterlassen, mühen sich seit Jahrzehnten die verschiedensten Deutungsschulen ab. Der überwiegende Teil seiner Geschichten spielen in einer rätselhaften, schwer durchdringbaren Welt. Die Vaterfigur ist immer wiederkehrendes Motiv, manches wirkt surreal, jüdischer Mythos dringt immer wieder durch – all dies erinnert an Kafka. Bruno Schulz kannte die Texte von Franz Kafka, da Bruno Schulz durch seine mütterliche Seite die deutsche Sprache beherrschte, doch er kopiert oder imitiert Kafka keineswegs, sondern schafft eine ganz eigene literarische Welt.

Auf YouTube findet man eine interessante Dokumentation zu Leben und Werk von Bruno Schulz.

Mit dem heutigen Jahrestag seiner Ermordung erinnert unser Blog heute an den „polnischen Kafka“ Bruno Schulz. Das Beitragsbild ist ein Selbstportrait um 1922.